„Ohne uns geht nichts“ – 1200 Bombardier-Beschäftigte demonstrierten zur Aufsichtsratssitzung in Berlin

Der Aufsichtsrat des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers Bombardier Transportation saß in der ersten Reihe: Am Donnerstag verlangten 1200 Beschäftigte von allen deutschen Standorten lautstark und entschlossen vor der Konzernzentrale am Schöneberger Ufer in Berlin ein Ende der Strategie von De-Industrialisierung und Stellenabbau. Ihre Botschaft: „Die Zeit zu kämpfen ist gekommen“. Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Zugleich seien die Arbeitnehmervertreter bereit, „bei notwendigen Umstrukturierungen auch schmerzhafte Veränderungen mitzutragen“, sagte Michael Wobst, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied bei Bombardier. Jedoch sei dies nur mit den Belegschaften und nicht gegen sie umzusetzen, betonte Wobst und forderte den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und sozialverträgliches Vorgehen des Managements.

„Ihr steht hier nicht nur für Eure Bombardier-Standorte, sondern für Eure Regionen in ganz Deutschland“, sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen und Aufsichtsratsmitglied. Von jedem Arbeitsplatz bei Bombardier hängen vier bis fünf Stellen bei Zulieferern und Dienstleistern ab. „Wir fordern von Bombardier: Nehmen Sie Abstand von einer Konzernpolitik der De-Industrialisierung und Standortbedrohung. Arbeiten Sie mit uns an vernünftigen Alternativen, die die Zukunft der Standorte sichern“, sagte Höbel mit Blick auf das Bombardier-Management.

Seit einem Jahr hält Bombardier seine Belegschaften hin. Nachdem Pläne für Umstrukturierungen und Personalabbau bekanntgeworden waren, ist nur eines klar: 5000 der 40000 Stellen in der Bahnsparte weltweit sollen vernichtet werden, die meisten davon an deutschen Standorten – allen voran die beiden Standorte BTW und PPC in Hennigsdorf bei Berlin und Görlitz in Sachsen. Genaueres ist nicht bekannt. Unheilvolle Auswirkungen hat der geplante Kahlschlag aber auf alle, und deshalb waren am Donnerstag alle Bombardier-Belegschaften vertreten: Neben Hennigsdorf und Görlitz waren Kolleginnen und Kollegen aus Bautzen, Kassel, Mannheim, Frankfurt/Main, Braunschweig und Siegen vor Ort.

„An unseren Forderungen hat sich nichts geändert: Am Erhalt der Arbeitsplätze in Görlitz und Bautzen ist nicht zu rütteln“, sagte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall Ostsachsen. Unterstützung erhielten die Waggonbauer von den sächsischen Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk (SPD), Karen Lay (Linke) und Stefan Kühn (B90/Grüne).

„Wir sind Kämpfen seit 1990 gewöhnt“, sagte Günter Marks. Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende von Bombardier Bautzen war mit vielen anderen Alt-Waggonbauern nach Berlin gekommen. Seine harte Bilanz: „Bombardier hat es geschafft, aus einem florierenden Spitzenhersteller von Bahntechnik einen Chaosladen zu machen.“

Bis Juli, so wurde am Donnerstag klar, geht das Zittern um die Arbeitsplätze weiter, denn erst dann will sich das Management festlegen, was aus den deutschen Bombardier-Standorten wird. Am 30. März legte zunächst ein externer Berater sein Gutachten dazu vor. Der Auftrag dazu war unter dem Druck der Proteste der Belegschaften und der IG Metall zustande gekommen.

Artikel entnommen der IG-Metall Seite Berlin-Brandenburg-Sachsen