[jW] Werksschließungen als Option

Medienbericht: Bombardier erwägt Produktionseinstellung an mindestens zwei Standorten in der BRD. Chef des Zugherstellers zum Rapport in Berlin

In internen Papieren reden Manager Klartext. Am Montag zitierte das Handelsblatt aus Dokumenten, denen zufolge alle sieben deutschen Werke des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers Bombardier Transportation (BT) in reine Entwicklungszentren umgewandelt werden könnten. Der Bau der Züge soll demnach künftig in anderen Ländern stattfinden. Vor einem Monat hatte dieselbe Zeitung berichtet, dass BT allein in Deutschland 2.500 der derzeit noch 8.500 Arbeitsplätze abbauen will. Weiterlesen auf junge Welt online

Mehr als 500 Beschäftigte protestierten vor dem Bombardier-Werk in Bautzen

Die Beschäftigten im sächsischen Bombardier-Werk in Bautzen wollen endlich Klarheit über die Pläne der Unternehmensleitung zum Personalabbau in ihrem Werk. Mehr als 500 Kolleginnen und Kollegen protestierten am 15. Dezember nach einer Betriebsversammlung vor den Werktoren. 

Das Schweigen der Unternehmensleitung des kanadischen Fahrzeugherstellers empört Beschäftigte und IG Metall in Bautzen. Bereits im Frühjahr hatte der kanadische Konzern angekündigt, deutschlandweit 1430 Arbeitsplätze zu streichen. In der vergangenen Woche wurde dann die Zahl „2500“ in einem Artikel im Handelsblatt genannt.

„Wir fordern eine klare Standortzusage und eine klares Ja zu den Kompetenzen vor Ort“, so Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. Er kündigte an, dass es im Januar eine Mitgliederversammlung in Görlitz geben werde. „Ich erwarte ein klares Mandat für schärfere Aktionen“, so Jan Otto weiter. In Görlitz sind derzeit 2000 Mitarbeiter bei Bombardier beschäftigt, in Bautzen arbeiten 1100 Menschen.

Heute – am 16. Dezember – finden Betriebsversammlungen und Aktionen in Görlitz und Hennigsdorf statt. 

Die Kolleginnen und Kollegen in Bautzen, Görlitz und Hennigsdorf gehen mit der Ungewissenheit in den Weihnachtsurlaub, ob ihr Arbeitsplatz von den jüngsten Ankündigungen der Unternehmensleitung betroffen sind.

Ein Unternehmenssprecher von Bombardier hatte gegenüber Medien darauf hingewiesen, dass keine Zahlen veröffentlicht würden, weil vorher mit Betriebsräten und Gewerkschaften gesprochen werden müsse. „Das ist in meinen Augen eine Realitätsverzerrung“, sagte dazu Jan Otto. „Die Zahl „2.500“ kam eindeutig aus Unternehmenskreisen. Also ist zu vermuten, dass schon Planungen vorliegen. Vorzugeben, dass wegen der Gespräche mit den Sozialpartnern die Planungen nicht vorangehen, ist unlauter.“

Berichterstattung:

 MDR um 11, 16. Dezember 2016

 MDR Online, 16. Dezember 2016

 Freie Presse, 16. Dezember 2016

 Sächsische Zeitung, 16. Dezember 2016

 Neues Deutschland, 17. Dezember 2016

 Neue Züricher Zeitung, 16. Dezember 2016

[MDR] Unsichere Weihnacht für Waggonbauer

Protestaktion bei Bombardier Bautzen und Görlitz: Unsichere Weihnacht für Waggonbauer

Seit Monaten herrschen in den Bombardier-Werken in Bautzen und Görlitz Angst und Unsicherheit. Im Frühjahr 2016 gab der kanadische Konzern bekannt, dass er in seinen Werken in Bautzen und Görlitz mehr als 900 Stellen streichen will. Von strategischer Neuausrichtung ist seither die Rede. Doch klare Aussagen, wie die aussehen soll, gibt es bis heute nicht. Weiterlesen beim MDR Sachsen

Situation bei Bombardier

Da es in den letzten Wochen vor allem eine Menge Gerüchte, aber wenig bestätigte Fakten gab, haben wir uns entschieden keine Panik zu verbreiten, sondern uns vorzubereiten. Jetzt ist allerdings Schluss.

Innerhalb der nächsten anderthalb Wochen wird viel passieren. Gestern gab es bereits eine Zusammenkunft mit den betrieblichen Vertretern beider Standorte – und alle sind diesmal bereit mitzukämpfen. Jetzt geht es darum, dass alle gemeinsam diesen Weg mit uns beschreiten. Diesmal geht es nicht nur um Protest – es geht um die Zukunft dieser Region. Stellt Euch auf einen Kampf ein der sich über mehrere Monate hinziehen wird. Wir können gewinnen. Und es ist auch jeder und jede in der Region gefragt uns zu unterstützen – denn ohne Bombardier wird die Kaufkraft der Region erheblich sinken. Und wer es von den Betrieblichen immer noch nicht verstanden hat: Spätestens jetzt brauchen wir jede und jeden in der IG Metall. Von außen meckern hilft uns nicht. Der Aggressor ist Bombardier. Und denen müssen wir zeigen: Mit uns macht ihr das nicht! Wir werden alles tun um politische Unterstützung zu generieren. Aber am Ende wird die Gegenmacht der Beschäftigten nur an einer Stelle gemessen: Vor den Werkstoren!

[n-tv.de] Görlitz, Bautzen, Hennigsdorf: Bericht: Bombardier streicht 2500 Stellen

Schon zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass Bombardier die Serienproduktion von Zügen in Hennigsdorf bei Berlin schließt. Laut einem Bericht sollen zudem 2500 Stellen in Deutschland abgebaut werden.

Der kanadische Bahntechnik-Konzern Bombardier will einem Medienbericht zufolge rund 2500 Stellen in Deutschland streichen. Betroffen seien vor allem die Fabriken in Görlitz mit derzeit 1900 Mitarbeitern, Bautzen mit 1100 Stellen und Hennigsdorf bei Berlin mit 2500 Beschäftigten, berichtet das „Handelsblatt“. Ein Unternehmenssprecher wollte dies nicht kommentieren. Weiterlesen auf n-tv.de

Hintergrund

Der kanadische Bahnhersteller Bombardier hatte im Februar 2016 verkündet, dass in Deutschland 1.430 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Die ostdeutschen Standorte in Hennigsdorf, Görlitz und Bautzen waren zu diesem Zeitpunkt mit mehr als 1.000 Stellenstreichungen am stärksten betroffen. IG Metall und Gesamtbetriebsrat kritisieren dieses Vorgehen seit Bekanntwerden im Februar massiv und haben Ansätze für eine Alternativstrategie entwickelt.

Im April überreichten Betriebsräte und IG Metall in Berlin den „Bombardier Fahrplan Zu(g)kunft“. Mit dem Strategiepapier zeigen die Betriebsräte und IG Metall konstruktive Lösungswege für die aktuelle Misere bei Bombardier Transportation auf und formulieren ihre Forderungen an die Konzernspitze.

Zeitgleich kursierten Gerüchte über eine sogenannte zweite Welle. Im Oktober hat die Konzernspitze den Abbau von weiteren 5.000 Arbeitsplätzen weltweit bei Bombardier Transportation verkündet. Seither besteht die Befürchtung, dass vor allem die  deutschen Standorte betroffen sein werden. Das Unternehmen hat bisher noch keine offizielle Position zur Umsetzung des Abbaus an den deutschen Standorten bezogen.

Auf einer Betriebsversammlung in Hennigsdorf wurde am 5. Dezember mitgeteilt, dass die Serienproduktion von Zügen am Standort bis Ende 2018 auslaufen solle. Nur noch Entwicklung, Konstruktion und eventuell der Bau von Prototypen sollen am Standort verbleiben.

„Wir fordern einen Zukunftspakt für Bombardier!“ – IG Metall-Branchenkonferenz Bahnindustrie

Am zweiten Tag der IG Metall-Branchenkonferenz Bahnindustrie erklärten rund 70 Teilnehmende der Konferenz ihre Solidarität mit den Beschäftigten bei Bombardier. IG Metall und die Beschäftigten von Bombardier forderten gemeinsam eine Zukunftsperspektive für die deutschen Standorte.

Am Mikrofon: Stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Korstian

„Zukunftsfähigkeit wird nicht erreicht, wenn die Sorge um die eigene Existenz im Vordergrund steht“, sagte Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Wir fordern deshalb einen Zukunftspakt für Bombardier mit dem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Der im Frühjahr von uns vorgelegte „Fahrplan Zu(g)kunft“ ist von vielen Führungskräften gelobt worden. Jetzt müssen Taten folgen! Die IG Metall steht für konstruktive Wettbewerbsverbesserung. Wir verwehren uns gegen kurzfristige Personalpolitik und Kahlschlag auf dem Rücken der Beschäftigten.“

Der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Korstian ergänzte: „Statt die wahren Probleme anzugehen, sollen wieder Stellen abgebaut werden. Damit geht das Management erneut einen Schritt in die falsche Richtung. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen andere Wege beschritten werden – gemeinsam mit und nicht gegen die Belegschaften, ihre Interessenvertretungen und die IG Metall.“

 Die IG Metall fordert gemeinsam mit den Beschäftigten die Unternehmensführung von Bombardier zu einem fairen Umgang auf. Die Botschaft: „Zukunftsperspektive für die deutschen Standorte! Fairer Umgang! Personalabbau löst die Probleme nicht!“

Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied unterstützte die Beschäftigten von Bombardier auf der Konferenz: „Unternehmen verzocken sich, planen falsch. Und die Beschäftigten müssen es ausbaden. Für Neuausrichtungen, wie sie gerade bei Bombardier angekündigt werden, braucht es Geld und Menschen. Das Kapital hat Bombardier sich organisiert – die Kapitalgeber bekommen dafür rund 5 Prozent Rendite. Und die Menschen? Wir fordern sichere Arbeitsplätze für unsere Kolleginnen und Kollegen. Das muss sein.“

Der Erste Bevollmächtigte der Standorte Görlitz und Bautzen, Jan Otto, warnte: „Bombardier ist dabei, seinen letzten Kredit in punkto Glaubwürdigkeit zu verlieren. Gibt es bis Ende des Jahres kein klares Bekenntnis zu den Standorten – inklusive einer nachvollziehbaren Zukunftsstrategie – sehen wir uns im Januar vor den Toren. Und dann wird es nicht bei kurzen Aktionen bleiben!“

 Hintergrund:

Der kanadische Bahnhersteller Bombardier hatte im Februar 2016 verkündet, dass in Deutschland 1.430 Arbeitsplätze vernichtet werden. Die ostdeutschen Standorte in Hennigsdorf, Görlitz und Bautzen sind mit mehr als 1.000 Stellenstreichungen am stärksten betroffen. IG Metall und Gesamtbetriebsrat kritisieren dieses Vorgehen seit Bekanntwerden im Februar massiv und haben Ansätze für eine Alternativstrategie entwickelt.

Jürgen Kerner, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall Fotos: Josef Pröll

Im April überreichten Betriebsräte und IG Metall in Berlin den „Bombardier Fahrplan Zu(g)kunft“. Mit dem Strategiepapier zeigen die Betriebsräte und IG Metall konstruktive Lösungswege für die aktuelle Misere bei Bombardier Transportation auf und formulieren ihre Forderungen an die Konzernspitze.
Bereits damals wurde über eine sogenannte zweite Welle spekuliert. Im Oktober hat die Konzernspitze den Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen weltweit bei Bombardier Transportation verkündet.

[SZ-O] Gewerkschaft holt Bombardier-Mitarbeiter in Görlitz vor das Werktor

Stellenabbau und Abteilungsschließungen – seit knapp einem Jahr leben die Bombardier-Mitarbeiter in Görlitz und Bautzen in Ungewissheit. Wie sieht die Zukunft aus? Nun steht ein Streik bevor.

Von Miriam Schönbach

Görlitz. Die IG Metall will am 28. September die Bombardier-Mitarbeiter erneut vor die Tore des Werks in Görlitz rufen. „Wir wollen unseren Forderungen Nachdruck verleihen. Fast ein Jahr nach der Ankündigung des Stellenabbaus im Werk Sachsen gibt es immer noch zu viele Ungewissheiten über die Zukunft der Arbeitsplätze“, sagte Ostsachsen IG Metall-Bevollmächtiger Jan Otto. Zu der Aktion wird auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) erwartet. Eine Woche später, am 5. Oktober, soll es am Görlitzer Standort nochmals eine Betriebsversammlung geben. Dabei soll auch Bombardier-Deutschlandchef Germar Wacker sein. Weiterlesen auf SZ-Online